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Substitution

Die substitutionsgestützte Behandlung ist mittlerweile neben der stationären Entwöhnungsbehandlung die Standardbehandlung der Opiatabhängigkeit, erreicht die meisten betroffenen Patienten und hat die beste Haltequote.

Mittlerweile werden in Deutschland über 80 000 Patienten substituiert.

Das Ziel der substitutionsgestützten Behandlung ist die Reduktion der gesundheitlichen und sozialen Schäden, die durch den Drogenkonsum und dessen Begleitumstände verursacht werden und der Aufbau eines suchtfreien Lebens.

Substitutionsbehandlungen werden durch die gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Die Rahmenbedingungen sind im Betäubungsmittelgesetz, der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung, in den Richtlinien der Bundesärztekammer  sowie in den Richtlinien der Krankenkassen geregelt.

Eine qualifizierte Substitutionsbehandlung beinhaltet  die Einnahme des Substitutionsmittels unter Sicht zumindest in der Anfangszeit, die Inanspruchnahme von psychosozialer Begleitung durch die Drogenberatungsstellen, die Behandlung komorbider körperlicher und psychiatrischer Erkrankungen, regelmäßige Urinkontrollen, Alkoholkontrollen und Venenkontrollen zum Ausschluss von Beikonsum, das Aufstellen eines Behandlungsplans mit Erarbeitung von individuellen Zielen (Wohnung, Partnerschaft, Ausbildung, Arbeit, Abstand zur Szene, Abstinenz usw.).

Die Rahmenbedingungen der Substitutionsbehandlung in unserer Praxis sind detailliert im Behandlungsvertrag geregelt, der zu Beginn der Behandlung vom Patienten unterschrieben werden muss.

Substitutionsbehandlung mit Methadon

Was ist Methadon und wie wirkt es?

  • Methadon ist ein künstlich hergestelltes Opiat und ursprünglich als starkes Schmerzmittel entwickelt worden.
  • Es wirkt an den gleichen Bindungsstellen im Gehirn, an denen auch Heroin wirkt.
  • Es wird im Magen /Darmtrakt aufgenommen, d.h. es kann geschluckt werden.
  • Methadon hat eine sehr lange Wirkungszeit, bis zu 40 Stunden nach der Einnahme ist immer noch die Hälfte davon im Körper vorhanden.
  • Es gibt vom Methadon zwei unterschiedliche Moleküle, im Polamidon ist nur das eine Molekül (das „Linksdrehende“) vorhanden. Wir verwenden im wesentlichen das D/L-Methadon.
  • Das in unserer Praxis verwendete D/L-Methadon ist eine 1% -Lösung.
  • 10 ml Polamidon (50mg Wirkstoff) entsprechen bei uns 10 ml Methadon (100 mg Wirkstoff).
  • Methadon verhindert bei ausreichender Dosierung komplett Heroinentzugserscheinungen, es nimmt die Gier nach Opiaten, macht aber keinen Kick.
  • Mit Methadon ist man voll arbeitsfähig oder in der Lage die Schule zu besuchen.
  • Bei ausreichend hoher Dosierung wirkt zusätzlicher Heroinkonsum nicht mehr.

Welche Nebenwirkungen treten auf?

  • Schwitzen: Dieses Problem verschwindet oft nach einigen Wochen, bei manchen bleibt es aber auch.
  • Gewichtszunahme
  • Verstopfung: Hierfür gibt es in der Praxis bei der Ausgabe Lactulosesirup.
  • Hormonveränderungen: Dies kann zu Problemen im Sexualbereich und zu Menstruationsstörungen führen.
  • Ausgeprägte Opiatabhängigkeit: Der Entzug vom Methadon ist ähnlich schwer wie vom Heroin, dauert aber wesentlich länger.
  • Gelegentlich Müdigkeit und depressive Verstimmungen
  • Störungen der Reizleitung am Herzen (verlängerte QTc-Zeit)

Substitutionsbehandlung mit Buprenorphin (z.B.Subutex, Suboxone) .

  • Buprenorphin ist wie Methadon ein künstlich hergestelltes Opiat und wurde ursprünglich als starkes Schmerzmittel verwendet.
  • Durch seine besonderen pharmakologischen Eigenschaften ist es für die Substitutionsbehandlung von heroinabhängigen Menschen gut geeignet und beseitigt effektiv sowohl Heroinentzugssymptome als auch die Gier nach Opiaten.
  • Es gibt Tabletten mit 0,4 mg, 2 mg und 8 mg Wirkstoff.
  • Die Buprenorphintabletten müssen unter die Zunge gelegt und dort aufgelöst werden. Sie gelangen dann über die Mundschleimhaut direkt ins Blut. Im Magen werden die Tabletten zum großen Teil verdaut, sie sind also nicht mehr ausreichend wirksam wenn sie geschluckt werden.
  • Vor der Einnahme von Buprenorphin  müssen schon deutliche Opiatentzugssymptome vorhanden sein. Ist dies nicht der Fall, da z.B. kurz vorher Heroin genommen wurde, löst Buprenorphin selbst Entzugssymptome aus. Dies kommt dadurch, dass Buprenorphin  Heroin oder Methadon aus dem Rezeptor verdrängt, selbst dort jedoch weniger stark wirkt

Substitutionsbehandlungen mit Dihydrocodein

Dihydrocodein ist nur noch in begründeten Ausnahmefällen zur Substitutionsbehandlung zugelassen. Pharmakologisch hat diese Substanz einige entscheidende Nachteile gegenüber Methadon und Buprenorphin und spielt daher nahezu keine Rolle mehr bei der Behandlung.

Substitutionsbehandlungen mit Diacetylmorphin (Heroin)

Mittlerweile hat der Gesetzgeber auch die Behandlung mit dem Originalstoff  Diacetymorphin=Heroin zugelassen. Es zeigte sich jedoch, dass diese Behandlungsform nur für sehr wenige Patienten in Frage kommt und die organisatorischen Erfordernisse sehr umfangreich sind (Personal, Sicherheitsmaßnahmen usw.) Aus diesem Grund gibt es deshalb dieses Therapieangebot bisher nahezu nur in den ursprünglichen Standorten, die an der bundesweiten Heroinstudie beteiligt waren.

In Baden-Württemberg ist dies der Standort Karlsruhe. In Stuttgart soll ebenfalls eine Heroinambulanz aufgebaut werden.

Patienten, die sich für diese Behandlungsform interessieren, können durch uns beraten werden.  Wir können ggf. an eine Heroinambulanz weitervermitteln.